|
Der Hörerkreis wurde bewusst klein gehalten, weil dem Herrn Dr. Tschabobo, der im Namen der Gemeinde und des Heimatmuseums das Wohl der Gemeinde sehr am Herzen liegt, und er mit diesem Vortrag die Mitglieder unserer Gemeinde nicht generell überfordern wollte. Und das war gut so, denn auch wir vom Paslamer Boten glauben, dass der Vortrag bei denjenigen, die über geringe oder wenige physikalische Grundkenntnisse verfügen, eine einschläfernde Wirkung gehabt hätte. Physik an sich ist ja nicht unbedingt schlecht, aber das, was man zum Hausgebrauch braucht in Paslam, das ist halt nicht für die hohe Wissenschaft gedacht, die wir in Paslam ja nun auch nicht brauchen. Dafür holen wir uns dann ja auswärtige Spezialisten. Wie eben den Herrn Priv.-Doz. Dr. Lothar Harngasser.
Kurz und gut zum Inhalt, der Herr Professor, ein rüstiger Mann in den besten Mannesjahren, begleitet von einer feschen Assistentin, die beim anschließenden Umtrunk im Fröschl erstaunlich Standhaftigkeit zeigte, der Herr Professor hat, wie er in seinem recht lustigen Deutsch mitteilte, festgestellt, dass es in den letzten 7 Jahren bei nahezu allen Bayrischen Bergseen (er schließt darin ein alle Seen, die höher als 700 m über dem Meeresspiegel liegen und eine Fläche aufweisen, die kleiner als 3 qkm ist und eine Tiefe aufweisen, die 30 Meter nicht übersteigt, dass es eben bei diesen Seen in den letzten 7 Jahren einen Anstieg des Wasserspiegels zwischen 7 und 14 cm gegeben hat. Und das ist deswegen bemerkenswert, weil der durchschnittliche Bayrische See mit einer Fläche größer als 3 qkm und einer Tiefe von mehr als 30 m sogar eine Senkung des Wasserspiegels vom mehr als 18 cm aufweist!!!
Und das legte der Herr Professor dem Paslamer Publikum anschaulich anhand bunter und großer Schaubilder dar.
Das allein hätte ja noch keinen Paslamer vom Hocker gehauen. Aber dann, nach einer kleinen Pause, die ausgefüllt wurde mit Speisen und Getränken, fuhr der Herr Professor fort mit den erschütternden Worten: „Und dieser Anstieg des Wasserspiegels setzt sich fort! Und zwar in den nächsten Jahren in einem rasanten Tempo!“
Und dann nahm er die anderen Waldseen aus dem Programm und zeigte uns ein Bild von unserem See. Unserem Paslamer Waldsee. Und der, so versicherte der Herr Professor, der sei in den letzten 7 Jahren vom Wasserspiegel her um genau 14 cm gestiegen. Und läge damit nicht nur an der Obergrenze, nein, er sei der Spitzenreiter! Das Publikum freute sich zuerst darüber, aber dann übernahm die ansehnliche Assistentin das Wort und führte den Vortrag weiter. Sie legte dar, dass der Wasserspiegel des Waldsees innerhalb der nächsten 7 Jahre um exakt weitere 29,3 cm steigen würde. Unaufhaltsam! Und das würde zur Katastrophe führen! Zu einer Umweltkatastrophe ersten Ranges. Es würde zu einer Überschwemmung Paslams führen!!
Es herrschte nach diesen Worten eisiges Schweigen im Raum. Paslam würde überschwemmt werden. Paslam würde in den Wassern des Waldsees verschwinden. Für immer. Und Miesbach würde bestehen bleiben, weil doch da der kleine Bergrücken zwischen liegt, für den die 29,3 cm nicht ausreichen würden!
Die Mehrheit der Anwesenheit beschloss darauf fast einstimmig, dagegen etwas zu unternehmen. Und so ging man diskutierend auseinander.
In ganz kleinem Kreis machte der Herr Priv.-Doz. Dr. Lothar Harngasser für dieses Phänomen die Paslamer Tangential-Konstante verantwortlich, die er beabsichtigte, beim nächsten internationalen Kongress der Gesellschaft Astrophysikalischer Phänomene der Fachwelt vorzustellen. Und diese Konstante habe er bei der Erforschung der Schwarzen Löcher im Weltall gefunden. Eine Konstante, mit der es ihm gelungen war, auf der einen Seite zu erklären, warum die Schwarzen Löcher schwarz waren und auf der anderen Seite, weshalb in den Schwarzen Löchern alles verschwinden würde, aber auch wirklich alles. Die Verbindung zwischen den Schwarzen Löchern und dem Problem des Paslamer Waldsees sei ihm klar geworden, nachdem er die bisher bekannten Schwarzen Löcher in ein von ihm erfundenes Koordinatensystem übertragen habe. Und dabei habe e festgestellt, dass eine bestimmte Art von Tangenten, die er in dieses (kreis-kugel-förmige) System integriert – oder besser – die er anlegt, das eben diese Tangenten in ihrer Verlängerung genau auf den Paslamer Waldsee weisen.
Das war einleuchtend. Das war klar. Das war Wissenschaft. Paslam ist für so etwas offen.
Und so ging dann auch in den frühen Morgenstunden der kleine Kreis nachdenklicher Paslamer auseinander. Man diskutierte auf dem Heimweg, wie man denn den Bergrücken zwischen Paslam und Miesbach so umgestalten könne, dass … nun, zu einem konkreten Ergebnis ist man doch nicht gekommen, weil dem Dolfi Herzhofer einfiel, dass in Miesbach ja die Hopfbrauer angesiedelt sei.
Nun, die Paslamer Tangential-Konstante wird aus unseren Köpfen nicht mehr wegzudenken sein. Zumindest in den kommenden 7 Jahren.
(Gschw.J.)
|